Morbus Parkinson und Ernährung

Brauche ich eine besondere Ernährung? Muss ich eine spezielle Diät einhalten? Diese Fragen stellen sich viele Parkinson-Patienten, nachdem sie die Diagnose erhalten haben. Bisher gibt es keine Hinweise, dass eine besondere Diät oder Ernährungsform den Verlauf der Krankheit beeinflussen könnte. Dennoch sollten Parkinson-Betroffene bei ihrer Ernährung einige Punkte beachten, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Genießen Sie nach Herzenslust

Die gute Nachricht vorweg: Parkinson-Patienten können in der Regel alle Leckereien genießen, ohne auf Kalorien zu achten. Der Grund: Bei der Parkinson-Krankheit ist die Gefahr, Gewicht zu verlieren, meist erheblich größer als das Risiko für Übergewicht. Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden, Völlegefühl und Verstopfung sind Beschwerden, die den Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien den Spaß am Essen verderben können. Zusätzlich können bestimmte Parkinson-Medikamente Übelkeit und Magen-Darm-Probleme verursachen.

Eine ausgewogene Ernährung ist für Parkinson-Patienten sehr wichtig – verschiedene Tipps und Tricks können helfen, trotz einiger Einschränkungen mit Genuss und Freude zu essen. Generell bieten die Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine ausgezeichnete Orientierung bei der Zusammenstellung nährstoffreicher Mahlzeiten; im Folgenden haben wir weitere Hinweise zusammengestellt. 

Das macht Lust auf Essen

Kleine Mahlzeiten sind bei Kau- und Schluckstörungen oft besser geeignet als große „Hauptmahlzeiten“. Auf keinen Fall sollten sich Parkinson-Patienten zum Essen zwingen – „Lieblingsspeisen“ wirken appetitanregend und sollten daher bevorzugt auf den Tisch kommen. Die Mahlzeiten sollten dabei so abwechslungsreich wie möglich gestaltet werden, um alle notwenigen Nährstoffe zuzuführen. Farbenfrohes Gemüse, frische oder getrocknete Kräuter und viele verschiedene Gewürze sorgen dafür, dass das Essen vielseitig ist und aromatisch schmeckt.

Übelkeit, Durchfall und anderen Magen-Darm-Beschwerden können auch dann auftreten, wenn Medikamente auf nüchternen Magen eingenommen werden. Es kann helfen, die Medikamente zusammen mit einem kleinen Snack (zum Beispiel Zwieback oder Kekse) einzunehmen, falls dies erlaubt ist. Im Zweifel sollte der Patient sich hierzu mit seinem Arzt abstimmen.

Bei Parkinson-Patienten mit Schluckstörungen können einige Tricks das Essen erleichtern. So hilft es zum Beispiel, Getränke und Suppen „einzudicken“ – dies erleichtert den Schluckvorgang. Feste Nahrung kann einfacher geschluckt werden, wenn man die Bissen zuvor in einen Dip oder eine würzige Sauce eintaucht. Mahlzeiten sollten bevorzugt zu den Tageszeiten eingenommen werden, an denen der Patient besonders gut beweglich ist („On-Phasen“).

Den Darm in Bewegung halten

Aufgrund der verringerten Darmbewegung neigen viele Parkinson-Patienten zu Darmträgheit und Verstopfung. Parkinson-Patienten sollten daher auf ballaststoffreiche Lebensmittel achten und ausreichend trinken – mindestens 2 Liter am Tag. Patienten, die viel schwitzen, benötigen häufig sogar mehr Flüssigkeit, um einem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel vorzubeugen. Um auf die geplante Trinkmenge zu kommen ist es hilfreich, schon morgens die Trinkmenge für den gesamten Tag bereitzustellen. Die Getränke sollten sich dabei immer in Sicht- und Reichweite befinden – ob beim Arbeiten, Lesen oder auch beim Sport. Abwechslung unterstützt die Flüssigkeitsaufnahme: Getränke „mit Geschmack“ wie Kräuter- und Früchtetee, Mineralwasser mit Zitronen- oder Gurkenscheiben, Gemüsesäfte und verdünnte Fruchtsäfte können das Trinkverhalten positiv unterstützen. Übrigens: Kaffee ohne Zucker und Milch kann wie Wasser zur Flüssigkeitsbilanz hinzugerechnet werden – das gilt allerdings nur bis zu einer Menge von vier Tassen. Um Schlafstörungen vorzubeugen, sollte Kaffee jedoch nicht am späten Nachmittag oder Abend getrunken werden.

Neben Ballaststoffen und ausreichenden Mengen an Flüssigkeit helfen auch milchsäurehaltige Lebensmittel wie Joghurt oder Quark, den Darm in Schwung zu bringen. Unterstützend wirkt auch leichte körperliche Aktivität wie zum Beispiel ein täglicher Spaziergang. Weißbrot und Reis sind zwar leicht zu kauen und schlucken, können aber die Darmträgheit fördern.

Auf ausgewogene Nährstoffversorgung achten

Um die Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie gesunden Fetten und Eiweiß sicherzustellen, sollten Parkinson-Patienten auf einen ausgewogenen und vielseitigen Speiseplan achten. Viel frisches Gemüse und Obst, Milchprodukte, aber auch Fisch und Fleisch in Maßen sind dabei wichtige Energie- und Nährstoffquellen. Vorsicht ist allerdings bei eiweißreicher Kost und der gleichzeitigen Einnahme bestimmter Parkinson-Medikamente geboten: Vor allem bei L-Dopa in Tabletten- und Kapselform kann eine eiweißreiche Mahlzeit den Wirkungseintritt des Medikaments verzögern oder die Wirksamkeit verringern. Weitere Informationen zu diesen Wechselwirkungen finden Sie hier.

Tipps zur Ernährung für Parkinson-Patienten und Angehörige

 

  • Bevorzugen Sie leicht verdauliche Gemüsesorten (Möhren, Kürbis, Fenchel, Kartoffeln) und ballaststoffreiche Lebensmittel (Kleie, Haferflocken, Trockenfrüchte, frisches Obst und Gemüse).
  • Vermeiden Sie schwer verdauliche oder blähende Speisen (Hülsenfrüchte, Kohl, sehr scharfe oder sehr fettreiche Speisen).
  • Bei Schluckstörungen sollten Sie krümelige oder faserige Speisen (hartgekochte Eier, zähes Fleisch) vermeiden, ebenso wie Speisen mit einer Mischkonsistenz (zum Beispiel Eintöpfe oder Suppe mit Einlagen).
  • Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Kauen oder Schlucken haben, achten Sie auf weiche, mundgerechte Lebensmittel wie Kartoffelpüree, Teewurst, Quarkspeisen oder Puddings.
  • Nehmen Sie kleine Speisemengen in den Mund und kauen Sie gründlich.
  • Während der Mahlzeiten sollte so wenig wie möglich gesprochen werden – Gespräche können die Konzentration stören und so die Schwierigkeiten beim Essen steigern.
  • Nehmen Sie 6‒8 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt ein und legen Sie während der Mahlzeit kleinere Pausen ein.
  • Lassen Sie sich Zeit. Schmecken und genießen Sie das Essen (würzen Sie gegebenenfalls nach, wenn der Geschmack zu fade ist).
  • Trinken Sie ausreichende Mengen (circa 2 Liter am Tag).
  • Bei Parkinson-Patienten, die besonders viel schwitzen, ist oft auch der Kochsalzbedarf erhöht – dies muss jedoch mit dem Arzt abgestimmt werden.
  • Esshilfen wie Warmhalteteller und Besteck mit speziellen Griffen erleichtern das selbstständige und genussreiche Essen.

 

Einige Rezepte für eine leckere und ausgewogene Ernährung bei Parkinson haben wir hier für Sie zusammengestellt.