Aktuelles zu Morbus Parkinson

Fahrradfahren hält Neurone im Takt

Sonnenschein, flatternde Schmetterlinge und laue Abendstunden: Weckt der Sommer bei Ihnen auch die Lust, nach draußen zu gehen und die Natur zu genießen – bei einem Picknick, einem Spaziergang oder einfach nur auf der Bank im Park? Was so einfach klingt, ist für viele Parkinson-Betroffene allerdings eine große Herausforderung, da ihnen steife Muskeln, Gleichgewichts- und Gangstörungen jeden Schritt vor die Tür erschweren können.

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Wenn trotz sommerlicher Temperaturen die Bewegung einfriert

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Besonders belastend und aufgrund der Sturzgefahr bisweilen auch gefährlich ist das plötzliche Einfrieren der Bewegung, das sogenannte Freezing.1 Davon betroffen ist mit zunehmender Krankheitsdauer etwa jeder vierte Parkinson-Patient.2 Meist tritt das Freezing völlig unvorhergesehen auf und macht es dem Patienten unmöglich, die eigenen Füße vom Boden zu heben. Sind Sie davon auch betroffen, sollten Sie die Natur vielleicht mit dem Fahrrad erkunden.

 

Fahrradfahren als Eisbrecher

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Denn – so verblüffend es auch klingen mag – in Untersuchungen wurde gezeigt, dass viele vom Freezing betroffene Patienten oft weiterhin Fahrradfahren können.1,3 Neurowissenschaftler aus Düsseldorf, Konstanz und Aarhus (Dänemark) haben nun entdeckt, worauf dieses Paradox zurückzuführen sein könnte: Sie fanden bei Freezing-Betroffenen eine Art Störsignal im Gehirn, das bei Patienten ohne dieses Symptom nicht nachweisbar war und das durch Radfahren unterdrückt wurde.4 

Um dem bislang unverstandenen Phänomen des Freezings auf den Grund zu gehen, hatten die Forscher die Gehirnaktivität von Parkinson-Patienten beim Gehen und beim Fahrradfahren untersucht, indem sie die Aktivitätssignale der Basalganglien ableiteten. Diese tiefen Hirnstrukturen sind bei Parkinson-Patienten verändert, können normalerweise aber nicht direkt untersucht werden. Für die Studie nutzten die Forscher jedoch Elektroden, die den Studienteilnehmern im Rahmen einer tiefen Hirnstimulation implantiert worden waren.

In die Pedale zu treten unterdrückt Störsignale im Gehirn

Damit konnten sie zeigen, dass Fahrradfahren im Vergleich zum Gehen zu einer stärkeren Unterdrückung pathologischer Signale in einem breiten Frequenzbereich, dem sogenannten beta-Band, führte. Die Nervenzellen in den betroffenen Hirnregionen kamen durch das Fahrradfahren quasi wieder „in den richtigen Takt“. 

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Insgesamt zeigten Parkinson-Patienten mit Freezing zwar ein ähnliches Signalmuster wie Patienten ohne dieses Symptom, zusätzlich aber das erwähnte Störsignal. Dieses gehört nach Einschätzung der Forscher wohl zur Parkinson-typischen Anfälligkeit für das „Einfrieren“. Wie es in einem Blockieren von Bewegungen gipfelt und das ganze System doch noch aus dem Takt gerät, bleibt jedoch weiterhin unklar. Allerdings könnte die Unterdrückung der abweichenden Aktivität einen zentralen Ansatzpunkt für zukünftige Therapien bei Parkinson-Patienten mit Freezing darstellen. Dabei wird sicherlich auch das Fahrradfahren eine zentrale Rolle spielen.