Aktuelles zu Morbus Parkinson

Hilft Cannabis gegen Tremor, Rigor und Co?

Seit Inkrafttreten des sogenannten Cannabisgesetzes im März vergangenen Jahres können Ärzte medizinisches Cannabis zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Seitdem häufen sich Medienberichte über die Wirksamkeit der pflanzlichen Droge bei verschiedenen Erkrankungen und schüren bei Patienten bisweilen große Hoffnungen.

#94181814 | Urheber: Africa Studio

Cannabis gegen Tremor und steife Muskeln?

Im März 2017 ist das sogenannte Cannabisgesetz in Kraft getreten. Dieses sieht vor, dass Krankenkassen für die Behandlung mit medizinischem Cannabis aufkommen müssen, wenn andere Therapien versagen. Seitdem setzen viele chronisch Kranke ihre Hoffnung auf die pflanzliche Droge. Denn vor allem in den Medien wird sie als „Wunderwaffe“ gegen zahlreiche Beschwerden gepriesen. Entsprechend hoffen auch viele Parkinson-Patienten, mithilfe von Cannabis Tremor, Schlafstörungen und Schmerzen lindern zu können.

Auch der Körper bildet Cannabinoide

Die Ursachen des Morbus Parkinson sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem (ZNS) und das Absterben von Nervenzellen (Neurodegeneration) daran beteiligt sind. Da das körpereigene Cannabinoidsystem im ZNS sowohl eine entzündungshemmende als auch eine neuroprotektive (die Nervenzellen schützende) Funktion hat, untersuchen Forscher schon seit geraumer Zeit die Wirkung von medizinischem Cannabis auf neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson.

Entzündungsprozesse bändigen

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Als lohnenswertes Ziel einer Cannabistherapie gilt der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2), eine Struktur auf der Oberfläche von Zellen, die vom Körper selbst gebildete oder auch von außen zugeführte Cannabinoide bindet. Über den Rezeptor wird die Freisetzung von Botenstoffen reguliert, die das Immunsystem und Entzündungsprozesse beeinflussen. Zudem nimmt die Zahl der von Nervenzellen gebildeten CB2-Rezeptoren während entzündlicher Prozesse im ZNS drastisch zu. Entsprechend gelten sie als wichtige Ziele, um die entzündlichen Abläufe bei neurodegenerativen Erkrankungen zu bändigen. Ein Vorteil dabei: Wirkstoffe, die nur an diesen Rezeptor binden, entfalten keine Rauschwirkung.

Nervenzellen zu schützen gelingt (noch) nicht

Der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) hingegen scheint Nervenzellen vor dem Absterben zu schützen. Allerdings stellt er nach Ansicht von Forschern kein realistisches Ziel für Therapien dar, da gerade bei neurodegenerativen Erkrankungen jene Zellen absterben, die CB1-Rezeptoren ausbilden.

Erste positive Resultate

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Soweit die Theorie. Untersuchungen, ob der Wirkstoff auch Parkinson-Patienten mit Bewegungsstörungen (Dyskinesien), Tremor oder psychotischen Störungen helfen kann, lieferten bislang keine eindeutigen Ergebnisse. So konnten Untersuchungen an wenigen Patienten zeigen, dass Tremor, Rigor (Erstarrung), Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen), Schmerzen, psychische Verfassung und Schlaf nach dem Rauchen von Marihuana besser wurden.

Cannabis hilft der Psyche

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Über mehr Lebensqualität berichteten Studienteilnehmer nach sechswöchiger Gabe von Cannabidiol (CBD) in einer weiteren Studie. Die Wissenschaftler führten diesen Effekt auf die angstlösenden, antidepressiven und antipsychotischen Eigenschaften des Hanfwirkstoffes zurück.187 Andere Studien verfehlten solche Ziele hingegen. Cannabinoid-Forscher empfehlen daher Studien mit höheren Teilnehmerzahlen, klaren Studienzielen und genau definierten Messmethoden, um den Nutzen von Cannabinoiden bei Morbus Parkinson weiter zu untersuchen.

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