Aktuelles zu Morbus Parkinson

Interview Arztgespraech

Eine gute Vorbereitung ist (fast) alles – Gespräch mit dem Parkinson-Experten Dr. Michael Lorrain

Das Leben mit einer chronischen Erkrankung wirft immer wieder Fragen auf, sei es, weil plötzlich neue Beschwerden auftreten oder die verschriebenen Medikamente nicht so wirken wie erhofft. Alles Themen für den nächsten Arzttermin, der dann aber wieder viel zu schnell vorbei ist und oft auch neue Fragen aufwirft. Was Sie selbst tun können, um Ihren nächsten Besuch beim Neurologen möglichst gut zu nutzen, erklären Dr. Michael Lorrain, niedergelassener Parkinson-Spezialist in Düsseldorf, und die leitende Parkinson-Assistentin der Praxis, Tanja Petrocini, im Gespräch mit „Parkinson aktuell“.

Parkinson aktuell: Herr Dr. Lorrain, warum ist es so wichtig, sich als Patient auf das Arztgespräch vorzubereiten?

Dr. Michael Lorrain: Im normalen Praxisbetrieb steht mir als Arzt für jeden Patienten nur wenig Zeit zur Verfügung, in der zum Teil existenzielle Fragen besprochen werden müssen. Das geht nur mit guter Vorbereitung.

Dr. Michael Lorrain
Dr. Michael Lorrain (Foto: privat)

Parkinson aktuell: Was können Patienten also ganz konkret tun?

Dr. Michael Lorrain: Das Wichtigste ist, dass Patienten beim ersten Termin in der Praxis alle Unterlagen, die ihnen zu ihrer Erkrankung vorliegen, also auch Vorbefunde anderer Neurologen oder Ärzte, mitbringen und vor dem Arztgespräch am Empfang abgeben. Diese werden dann eingescannt und ich kann mir vor dem Gespräch einen ersten Eindruck zum Krankheitsverlauf verschaffen. Außerdem werden so Doppelunter-suchungen vermieden, wodurch mehr Zeit für die Behandlung bleibt.

Parkinson aktuell: Wie kann sich der Patient auf das eigentliche Gespräch mit dem Arzt vorbereiten?

Dr. Michael Lorrain: Wir empfehlen unseren Patienten immer, eine Begleitperson mitzubringen. Das kann der Partner, ein Angehöriger oder ein Betreuer sein. Der Vorteil daran ist, dass vier Ohren einfach mehr hören als zwei und damit mehr Informationen behalten werden als wenn nur der Patient allein zu mir kommt.

Tanja Petrocini: Ein Außenstehender hat außerdem einen anderen Blick auf den Patienten und kann seinen Eindruck, beispielsweise von der Beweglichkeit des Partners, schildern. Und er kann darauf achten, dass im Eifer des Gespräches keine Frage vergessen wird. Am besten ist es, sich diese in der Zeit zwischen den Terminen zu notieren und den Zettel dann mitzubringen.

Tanja Petrocini
Tanja Petrocini (Foto: Issam Chebouti)

Parkinson aktuell: Benötigen Sie sonst noch Informationen von Ihren Patienten?

Dr. Michael Lorrain: Um mir einen umfassenden Eindruck von der Verfassung meines Patienten machen zu können, benötige ich von ihm Informationen zu seinen motorischen und nicht-motorischen Beschwerden. Treten Schlafstörungen auf, wie sieht es mit der Verdauung und dem Wasserlassen aus? Aber auch Informationen zu eventuellen früheren Schädel-Hirn-Traumen oder neurologischen Erkrankungen, die in der Vergangenheit in der Familie aufgetreten sind, sind sehr hilfreich.

Tanja Petrocini: Wichtig ist auch, dass Patienten ihren Medikamentenplan mitbringen, auf dem nicht nur alle Medikamente eingetragen sind, die eingenommen werden – auch freiverkäufliche –, sondern auch die Einnahmezeiten. Manchmal kann ich damit schon im Vorfeld das eine oder andere Problem mit dem Patienten klären und es bleibt mehr Zeit für das Gespräch mit dem Arzt.

Parkinson aktuell: Mitunter fällt es Patienten schwer, die Beschwerden genau zu beschreiben. Welche Möglichkeiten gibt es, selbst den Überblick zu behalten und dem Arzt ein möglichst genaues Bild zu geben?

Tanja Petrocini: Einige Krankenkasse bieten ihren Versicherten die Möglichkeit, einmal im Jahr eine sogenannte ambulante Videotherapie durchführen zu lassen. Hierbei können wir durch direkte Beurteilung der Aufnahmen, die die Patienten machen, die Medikation anpassen. Dadurch kann oft ein stationärer Aufenthalt zwecks medikamentöser Umstellung vermieden werden. Zudem erhalten unsere Patienten einmal jährlich einen Fragebogen, mit dem wir die nicht-motorischen Symptome wie Verdauungsstörungen oder Schlafprobleme abfragen.

Parkinson aktuell: Wie sehen Sie es als Arzt, dass viele Patienten häufig auch „Dr. Google“ zurate ziehen?

Dr. Michael Lorrain: Patienten sollten keine Angst haben, sich vorher im Internet zu informieren und dies im Gespräch auch zu erwähnen. Vielmehr sollten wir Ärzte wertschätzen und realisieren, dass sich das Arzt-Patienten-Verhältnis gewandelt hat. Wir müssen unseren Patienten zutrauen, sich über den eigenen Körper Gedanken zu machen. Vor allem aber sollten sie keine Scheu haben, zu fragen – auch wenn ihnen das eine oder andere peinlich erscheint.

Tanja Petrocini: Nur so können wir einen Patienten immer besser kennenlernen und ihm dann entsprechende Tipps geben. Und nicht zuletzt hängt unserer Erfahrung nach die Therapietreue eines Patienten davon ab, wie gut er sich betreut fühlt.

Parkinson aktuell: Vielen Dank für das Gespräch!

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Praktische Unterstützung, Ihr Befinden genau zu dokumentieren und so das nächste Arztgespräch gut vorzubereiten, bietet das Parkinson-Tagebuch von UCBCares®. In acht Kategorien erfasst der Fragebogen neben Einschränkungen der Beweglichkeit auch Schlafstörungen, Schmerzen, psychische Beschwerden oder Probleme mit Blase und Darm sowie wie häufig diese Beschwerden auftreten. Am besten bitten Sie Ihre(n) Partner(in), die Fragen mit Ihnen durchzugehen, da er/sie möglicherweise einen anderen Blick auf die Symptome hat als Sie selbst. Kurze Videos, die sich beispielsweise mit dem Smartphone einfach erstellen lassen, dokumentieren vor allem motorische Einschränkungen gut.

Das Tagebuch können Sie kostenfrei über die Webseiten www.ucb.com und UCB Broschürenservice oder über UCBCares® bestellen. Ein Anruf unter der Rufnummer 02173 – 48 4848 genügt hierfür.

Damit sind Sie bestens für den nächsten Arzttermin vorbereitet. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und ein gutes Gespräch mit Ihrem Neurologen!

ucb

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