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Vererbbarkeit von Morbus Parkinson

Bei Morbus Parkinson handelt es sich nicht um eine Erbkrankheit im eigentlichen Sinne. Die häufigste Form der Erkrankung ist das idiopathische Parkinson-Syndrom, das gelegentlich (sporadisch) und ohne erkennbare Ursache auftritt. Dennoch wird immer häufiger diskutiert, dass auch die Vererbung bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen kann. Untersuchungen zufolge machen erbliche Formen der Parkinson-Krankheit nur 5-10 Prozent aller Parkinson-Syndrome aus. Hinweise für eine erbliche Form der Erkrankung sind dabei ein sehr früher Erkrankungsbeginn (vor dem 50. oder sogar vor dem 40. Lebensjahr) und eine Häufung von Parkinson-Fällen in der Familie. Kinder dieser Parkinson-Patienten haben gegenüber der Normalbevölkerung möglicherweise ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an Parkinson zu erkranken.

Heute geht man davon aus, dass die Parkinson-Erkrankung durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht. Neben der Störung bestimmter Körperfunktionen wie zum Beispiel Entgiftungsmechanismen und schädlichen Umweltfaktoren (Schwermetalle, Pestizide, etc.) treten vererbbare Faktoren jedoch zunehmend in den Vordergrund.

Parkinson-Gene

In den letzten Jahren wurden verschiedene Bereiche in der menschlichen Erbsubstanz – sogenannte Gene – entdeckt, die mit einem erhöhten Risiko für eine Parkinson-Erkrankung einhergehen. Das erste entdeckte Parkinson-Gen war PARK1 – dieses PARK1-Gen enthält das „Rezept“ für die Herstellung eines Eiweißbausteins namens Alpha-Synuklein, der als Bestandteil der Nervenzellen im Gehirn wichtige Aufgaben erfüllt. Ist das PARK1-Gen jedoch beschädigt, dann werden fehlerhafte Alpha-Synuklein-Bausteine gebildet; diese können nach Ansicht vieler Forscher die Nervenzellen schädigen und so zur Entstehung der Parkinson-Erkrankung beitragen. Ein Hinweis auf den schädigenden Effekt von fehlerhaftem Alpha-Synuklein sind typische Ablagerungen, die in den Gehirnen von Parkinson-Patienten gefunden wurden. Diese als „Lewy-Körperchen“ bezeichneten Ablagerungen erscheinen bei starker Vergrößerung unter dem Mikroskop als kugelförmige Strukturen. Man vermutet, dass durch die Ablagerungen schädigende Prozesse in Gang gesetzt werden, die zum Untergang bestimmter Nervenzellen führen. Inzwischen wurden weitere Gendefekte identifiziert, die eine Rolle bei der Entstehung der Parkinson-Erkrankung spielen können. Parkinson-Patienten mit Gendefekten erkranken meist relativ früh an Parkinson und können die Erkrankung auch an ihre Kinder weitergeben. Das Vorliegen eines entsprechenden Gendefekts muss jedoch nicht bedeuten, dass jeder, der dieses veränderte Gen besitzt, auch tatsächlich erkrankt. Hier spielen wie oben bereits erwähnt auch Umwelteinflüsse und andere Faktoren eine Rolle. 

Das wissenschaftliche Interesse liegt zunehmend auch auf dem Vorhandensein schützender, sogenannter „protektiver“ Gene, die das Auftreten von Parkinson verhindern oder die Ausprägung der Symptome abmildern können. 

Parkinson-Gene und Familienplanung - Vererbbarkeit von Morbus Parkinson

Wie ist eine erbliche Form von Parkinson erkennbar?

Hinweise für eine erbliche Form sind ein sehr frühes Erkrankungsalter, zum Beispiel vor dem 50. oder sogar 40. Lebensjahr, und wenn mehrere Mitglieder in einer Familie von Parkinson betroffen sind. Je früher die Krankheit beginnt, umso wahrscheinlicher ist ein Gendefekt die Ursache. Anhand der Symptome lässt sich dagegen meist nur schwer beurteilen, ob die Parkinson-Krankheit eine erbliche Komponente besitzt.

Sind in der Familie des Betroffenen bereits Fälle von Parkinson bekannt, sollte dies dem Arzt auf jeden Fall mitgeteilt werden. Bei einer sogenannten „Stammbaumanalyse“ werden auf einem Familienstammbaum die erkrankten Familienmitglieder (Onkel, Großmutter) besonders gekennzeichnet. Dadurch versucht man, Muster im Auftreten der Erkrankung innerhalb einer Familie zu finden. Hieraus ergeben sich Hinweise, ob und wie die Erkrankung vererbt wurde.

Ein Gentest kann Klarheit schaffen

Deuten alle Hinweise auf eine erbliche Form von Parkinson hin, so kann ein Gentest durchgeführt werden und für Klarheit sorgen. Diese genetische Diagnostik wird zurzeit noch nicht routinemäßig durchgeführt: bei Familien mit einem erhöhten Vererbungsrisiko kann es jedoch sinnvoll sein zu untersuchen, ob oder welche Gene der Erkrankung zugrunde liegen. Dadurch kann gerade bei jungen Patienten mit der erblichen Form von Parkinson eine falsche Diagnose vermieden oder die Lebensplanung optimiert werden. Außerdem ist es vorstellbar, dass in Zukunft Therapien entwickelt werden, die genau auf den jeweiligen Gendefekt abgestimmt sind.

Natürlich können auch Angehörige einen Gentest durchführen lassen, um festzustellen, ob ein bestimmter Gendefekt bei ihnen vorliegt. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden: Ein positives Ergebnis kann sehr belastend sein – und gibt keine Sicherheit, ob die Parkinson-Krankheit tatsächlich ausbricht. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Hausarzt oder Neurologen. Dieser wird mit Ihnen besprechen, ob es in Ihrem Fall sinnvoll ist, einen Parkinson-Gentest durchzuführen. Sollte dies der Fall sein, wird er Sie über das weitere Vorgehen informieren. Schließlich handelt es sich hierbei nicht um eine routinemäßige Untersuchung, sondern um eine äußerst aufwendige Analyse, die nur in spezialisierten Laboren bzw. Kliniken durchgeführt wird.

 

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