Bewegungsstörungen bei Morbus Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist eine komplexe Erkrankung mit sehr unterschiedlichen Beschwerden. Das wichtigste Merkmal der Parkinson-Krankheit sind jedoch charakteristische Bewegungsstörungen, die sogenannten motorischen Symptome. Die motorischen Symptome können von Patient zu Patient von Anfang an sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und spielen für die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung eine wesentliche Rolle; sie werden in vier Hauptgruppen unterteilt.

Verlangsamung der Bewegungsabläufe und Unbeweglichkeit (Bradykinese oder Akinese und Hypokinese)

Die Verlangsamung der Bewegungsgeschwindigkeit ist das wichtigste Symptom der Parkinson-Krankheit; dieses Symptom muss vorliegen, damit die Diagnose „Parkinson-Krankheit“ gestellt werden kann. Sie stellt für die meisten Patienten den schwerwiegendsten Aspekt ihrer Bewegungsstörungen dar. 

Die Bewegungsverlangsamung ist ein fortschreitender Prozess, der verschiedene Körperteile wie Gesicht, Arme, Hände, Gang und Körperhaltung betreffen kann. Anfangs bemerken Betroffene zumeist nur auf einer Körperseite, dass bestimmte alltägliche Bewegungen, beispielsweise beim Zähneputzen, bei der Hausarbeit oder bei handwerklichen Tätigkeiten, nicht mehr flüssig und einfach auszuführen sind. Die zunehmende Unbeweglichkeit kann sich anfangs aber auch als leichtes Nachziehen eines Beines äußern. Willkürliche Bewegungen wie Aufstehen, Gehen und Umdrehen sind verlangsamt und fallen dem Patienten zunehmend schwer. Typisch sind auch Beeinträchtigungen der Feinmotorik, zum Beispiel beim Zuknöpfen des Hemdes oder beim Schreiben mit der Hand.

Für die Verlangsamung der Bewegungsabläufe bis hin zur Unbeweglichkeit verwendet der Arzt drei unterschiedliche Fachbegriffe. So bezeichnet der Begriff „Akinese“ (griechisch „ohne Bewegung“) vor allem die Unfähigkeit, eine Bewegung zu beginnen, bis hin zur völligen Starre: Der Patient kann zum Beispiel nicht mehr aufstehen oder sprechen. Das Wort „Hypokinese“ (griechisch „Unterbewegung“) beschreibt dagegen, dass Parkinson-Patienten die Bewegungen häufig „kleiner“ und weniger raumgreifend ausführen als gesunde Personen. Für die Verlangsamung der Bewegungen steht der Begriff „Bradykinese“ (griechisch brady = „langsam“).

Schon in frühen Krankheitsstadien sind bei Parkinson-Patienten rasch abwechselnde Bewegungsabläufe von Händen und Fingern verlangsamt und können teilweise nur stockend ausgeführt werden. Dies kann anhand eines sogenannten „Tapping-Tests“ nachgewiesen werden, bei dem der Patient zum Beispiel mit dem Zeigefinger sehr schnell auf den Daumen tippen soll. Da auch die Gesichts- und Sprechmuskulatur betroffen sein können, verändern sich die Mimik und die Sprache der Betroffenen. Das Gesicht wird ausdrucksärmer und im späteren Krankheitsverlauf fast maskenartig (Hypomimie). Die Sprache wird in fortgeschrittenen Krankheitsstadien leiser, rauer, monoton und undeutlicher (Dysarthrophonie).

Akinetische Krise

Durch die zunehmende Bewegungsverlangsamung kommt es in späteren Stadien der Parkinson-Krankheit in seltenen Fällen zu einer sogenannten „akinetischen“ Krise. Die Betroffenen sind dabei fast völlig bewegungsunfähig und erleben zusätzlich Herzrasen, Blutdruckanstieg oder starkes Schwitzen. Hervorgerufen wird die Krise zum Beispiel durch ein plötzliches Absetzen der Antiparkinson-Medikamente oder durch eine zusätzliche schwere Erkrankung. Auch starker Stress kann eine akinetische Krise begünstigen oder hervorrufen. Abhängig vom Auslöser kann bereits eine Umstellung der Parkinson-Medikamente helfen, die akinetische Krise zu beenden – in jedem Fall müssen die Betroffenen jedoch in einem Krankenhaus notfallmäßig behandelt werden.

Zittern (Tremor)

Neben der Verlangsamung der Bewegungsabläufe ist der Tremor (die medizinische Bezeichnung für „Zittern“) das auffallendste Symptom der Parkinson-Krankheit. Beim Tremor handelt es sich um ein unwillkürliches und sich gleichmäßig wiederholendes Hin- und Herbewegen von Körperteilen. Vom Parkinson-typischen Zittern sind vor allem die Hände, seltener aber auch der Kopf, das Kinn oder andere Körperbereiche betroffen; oft tritt das Zittern dabei zunächst nur auf einer Körperseite auf. Bei den meisten Parkinson-Patienten tritt der Tremor bei vollständig entspannter Muskulatur auf (Ruhetremor) und verschwindet bei zielgerichteten Bewegungen, sodass Alltagsbewegungen weiterhin möglich sind. Dennoch wird das Zittern von den Patienten als sehr unangenehm empfunden, besonders da es sich unter Anspannung oder Aufregung noch verstärkt. Einige Parkinson-Patienten leiden jedoch auch unter einem sogenannten Halte- oder Aktionstremor. Diese Form des Zitterns entsteht durch Muskelanspannung – zum Beispiel beginnt die Hand des Patienten „auf halber Strecke“ zu zittern, wenn er eine Tasse zum Mund führt. 

Muskelsteifheit (Rigor)

Beim Rigor kommt es durch anhaltende Anspannung zu einer Starre oder Steifheit der Muskulatur – die Patienten empfinden diesen Zustand als „Lähmungsgefühl“. Zu Beginn der Parkinson-Erkrankung sind meist der Nacken, die Schultern oder die Oberarme von der Versteifung der Muskulatur betroffen, sodass die Beschwerden mit rheumatischen oder orthopädischen Beschwerden verwechselt werden können. Typisch für die Muskelsteifheit bei Parkinson-Patienten ist auch das sogenannte „Zahnradphänomen“: Versucht der Arzt, den locker angewinkelten Arm des Patienten zu strecken, kann der Arm nicht gleichmäßig bewegt werden, sondern die Bewegung erfolgt ruckartig wie bei einem Zahnrad. Die Muskelanspannung kann sich aber auch durch das sogenannte „Kopfkissenphänomen“ äußern. Durch unwillkürliche Versteifung kann die Halsmuskulatur so stark angespannt sein, dass der Parkinson-Patient beim Liegen mit dem Kopf kaum oder gar nicht das Kissen berührt.

 

Störung der Halte- und Stellreflexe (posturale Instabilität)

Bei Parkinson-Patienten sind mit zunehmender Dauer der Erkrankung auch die Gleichgewichtsreflexe gestört. Bei plötzlichen Stößen kann der Patient nicht mehr rechtzeitig gegensteuern, um das Gleichgewicht zu halten; die Gefahr nimmt zu, dass er stürzt. Diese Gleichgewichtsprobleme untersucht der Arzt beim sogenannten „Zugtest“. Dabei versucht der Arzt, den Patienten durch kräftiges Nach-vorn- oder Nach-hinten- Ziehen an den Schultern aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Um Stürze zu vermeiden sollten in der häuslichen Umgebung Stolperfallen, wie Teppiche und Türschwellen gesichert werden. Darüber hinaus können Hilfsmittel, wie Haltegriffe oder Gehhilfen, eingesetzt werden.

Erscheinung des veränderten Bewegungsablaufs

Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sich die für Morbus Parkinson typische Körperhaltung, bei der unter anderem der Kopf und Oberkörper nach vorn gebeugt sind und die Arme dicht am Rumpf gehalten werden. Die Parkinson-Patienten zeigen darüber hinaus zunehmend „Start- und Stoppschwierigkeiten“ – es fällt ihnen schwer, eine Bewegung in Gang zu setzen beziehungsweise diese rechtzeitig anzuhalten.